Lady Jane Gray

Szenische Lesung nach Christoph Martin Wieland
Textbearbeitung und Regie: Gunther Dahinten

„Lady Johanna Gray“, 1758 in der Schweiz entstanden, behandelt einen historischen Vorgang: die Tragödie um Johanna/Jane Gray, die in der Nach-Nachfolge des englischen Königs Heinrich VIII. zwischen den politischen Lagern verheizt und als Reformierte von ihrer katholischen Konkurrentin, Königin Mary, im Alter von 16 Jahren 1553 hingerichtet wurde.
Obwohl „Lady Johanna Gray“ kein zentrales Werk von Wieland ist, hat es mehrfache Bedeutung. Deshalb war es Gunther Dahinten ein Anliegen, das Stück zu realisieren. Erstens fügt es sich als außergewöhnliche Ergänzung in die Wieland-Pflege, die in Biberach in den letzten Jahren erfreulicherweise deutlich zugenommen hat. Zweitens könnte es sich sogar um eine Erstaufführung in Biberach handeln - in der neuen Streichfassung auf jeden Fall. Denn die „Lady“ wurde nach der Uraufführung in Winterthur 1758 kaum mehr gespielt. Vor allem aber gebührt dem Stück ein literaturgeschichtliches Verdienst: als das erste deutsche Blankversdrama, wodurch diese Sprachform (mit den fünffüßigen Jamben) ins deutsche Drama eingeführt wurde und etwa bei Lessing, Schiller, Goethe zur Hochform kam: Wieland, der große Erneuerer.
Da „Lady Jane Gray“ keinen aktionsgeprägten Aufbau hat, sondern nur in Dialogen abläuft, wird das Stück als szenischer Vortrag präsentiert. Die sieben Darstellerinnen und Darsteller stehen an Pulten und sprechen den - deutlich gekürzten - Text in einer „erlebten Lesung“.  Vihuela-Musik aus der Shakespeare-Zeit (Roland Boehm und Rainer Uhl) sorgt für Abwechslung und Zeitkolorit. Der Spielort im Obergeschoss des Komödienhauses, in den Vereinsräumen des „Dram“, ist bewusst gewählt, denn zu Wielands Zeiten war dieser Raum das Biberacher Stadttheater, und die „Lady“ wäre, wenn es denn je geschehen sein sollte, auch dort gezeigt worden.